Le Corbusier

Le Corbusier (1964) Stedelijk Museum Sikkensprijzen 916-9288 (cropped)

1964, Foto: Joop van Bilsen

1887 – 1965

Der schweizerisch-französische Architekt, Stadtplaner, Visionär, Möbeldesigner, Bildhauer, Maler und Zeichner Le Corbusier (richtiger Name: Charles-Édouard Jeanneret-Gris) gilt weithin als bedeutendster Architekt des 20. Jhd. Sein Einfluss auf die zeitgenössische Architektur ist unermesslich: nahezu alle zeitgenössichen Theorien der Architektur und Stadtplanung sind entweder eine Erweiterung oder Ablehnung seiner Ideale. In La-Chaux-de-Fonds geboren, liess er sich nach Reisen und einem kurzen Arbeitsaufenthalt im Architekturbüro von Peter Behrens in Berlin, in Paris nieder. Mit dem kubistischen Maler Amédée Ozenfant entwickelte er das Manifest des Purismus, dessen Einflüsse sich in Le Corbusiers Malerei und Architektur widerspiegeln: rationale Komposition des Bildes/Bauwerks aus elementaren geometrischen Formen bei Vermeidung rein dekorativer Elemente. Inspiriert vom aufkommenden modernen Zeitalter, wurde er zum Visionär für eine neue Architektur und definierte damit den grundlegenden Ansatz der modernen Architektur. Das Prinzip der Autos, Flugzeuge und Schiffe wandte er auf Gebäude an, um «Wohnmaschinen» zu konzipieren. Die reine Funktionalität der Maschine wurde zum Vorbild für die Gebäudegestaltung. Um 1923 veröffentlichte Le Corbusier die berühmten Fünf Punkte einer neuen Architektur, die mit einer radikalen Abkehrung von der klassischen Architektur einhergeht und eine fundamental neue Ästhetik bedeutet: 1. Die Gebäude stehen auf Pfosten aus Stahlbeton, wodurch tragende Mauern wegfallen. 2. Die Mauern von ihrer tragenden Funktion befreit, ist man in der Raumplanung frei. 3. Dadurch wird auch die freie Gestaltung der Fassaden ermöglicht. 4. Die freie Fassade ermöglicht horizontale Fenster, die einen effektiveren und regelmässigeren Lichteinfall bewirken. 5. Das Dach sollte flach sein und die durch das Gebäude besetzte Fläche auf dem Dach als Garten genutzt werden. Diese glatten, maschinenartigen Gebäude der 20er Jahre wichen ab 1930 einem expressiveren Stil, dem Brutalismus, dessen essenzielle Aspekte die Kombination kontrastierender Materialien, die Verwendung von rohem Beton und ein monumentaler Masstab war. Le Corbusiers Visionen als Stadtplaner, rigorose städtebauliche Grossprojekte, die einen totalitären Charakter aufweisen und als Umsetzung des faschistischen Programms Hitlers und Mussolinis interpretiert werden können, lösten Kontroversen aus. In der indischen Provinz Punjab konnte er mit der Planung der neuen Hauptstadt Chandigarh ein solches Projekt realisieren. Daneben entwarf Le Corbusier gemeinsam mit der Architektin und Designerin Charlotte Perriand Möbel, die teilweise heute noch hergestellt werden. 17 Bauten Le Corbusiers in sieben Ländern gehören zum Weltkulturerbe. Einige der wichtigsten Bauwerke: Villa Le Lac, Corseaux/Schweiz (1923), Villa Savoye, Poissy/Frankreich (1928), Immeuble Clarté, Genf (1930), Pavillon Suisse, Paris (1931), Unité d’habitation Marseille (1945), Chappelle Notre-Dame-du-Haut, Ronchamps/Frankreich(1950), Complexe du Capitole, Chandigarh/Indien (1945), Couvent Sainte-Marie-de-la-Tourette, Eveux/Frankreich (1953), Kirche St.-Pierre, Philips Pavillon, Brüssel/Belgien (in Zusammenarbeit mit Iannis Xenakis,1958, abgerissen), Kirche St.-Pierre, Firminy/Frankreich (fertiggestellt 2006)