Gaudí, Antoni

Antoni Gaudi 1878

1878, Foto: Pau Audouard Deglaire

1852 – 1926

Gaudi war höchstwahrscheinlich der aussergewöhnlichste Architekt aller Zeiten. Bereits seine Diplomübergabe erfolgte mit folgenden Worten des Direktors: «Entweder haben wir es hier mit einem Genie oder einem Wahnsinnigen zu tun. Die Zeit wird es zeigen.» Sein phantastischer, eigenwilliger Stil, beeindruckend und bizarr zugleich, lässt sich in keinen Stil oder Bewegung einordnen und wurde niemals übernommen oder adaptiert. Dennoch war Gaudí ein Kind seiner Zeit, im ausklingenden 19. Jahrhundert war im architektonischen Historismus die neogotische Phase präsent, in der es zu einem Wiederaufkommen des gotischen Stils kam, der ihn stark beeinflusste. Gleichzeitig fiel seine Zeit in die Anfänge des Modernismo, der katalanischen Spielart des Jugendstils, dessen Formsprache er verwendete und zu dessen herausragendstem Vertreter er wurde. Den gotischen Stil bewunderte er und übernahm vieles davon, jedoch empfand er ihn als unvollkommen und versah ihn mit der Natur entliehenen Motiven. Auch der orientalische Stil beeinflusste ihn, doch die Natur war sein Vorbild; seine Werke sind charakterisiert von welligen, organischen Formen, geschwungenen Wand- und Dachkonstruktionen, unregelmässigen Grundrissen, schräg gemauerten Stützen und Motiven der Flora und Fauna. Häufig integrierte er Bruchsteine und Mosaike aus Keramikfliesen, was auch zu neuen Höhenflügen der Schmiede- und Mosaikkunst, Tischlerei und Glaskunst führte. Jedes Detail seiner Bauwerke entwarf er selbst und entwickelte diese oft noch während des Bauens weiter. Gaudí hatte zudem ein aussergewöhnliches Verständnis für das Tragwerk. Für die Konstruktion der tragenden Strukturen verwendete er oft das Prinzip der Hängemodelle, was die Verwendung komplizierter Formen ohne aufwendige Berechnungen und mit geringem Materialaufwand erlaubte. Oft wiederkehrende Elemente in den Konstruktionen sind Kettenlinien, Paraboloide, Hyperboloide und Heliokoide, die z. B. in der Decke der Basilika Sagrada Família ständig den Effekt des Lichts verändern und so einen aussergewöhnlichen Nuancenreichtum erzeugen. Mit Projekten wie dem Parc Güell, der Colonia Güell oder der Casa Milà veränderte er das Gesicht von Barcelona und Umgebung. 7 Bauten in und um Barcelona sind als serielles Kulturgut zusammengefasst in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen worden. Sein Lebenswerk war jedoch die Sagrada Família, deren Bau er sich über 40 Jahre lang widmete und die bis zu seinem Tod unvollendet blieb, da er bei einem tragischen Unfall ums Leben kam. Die Kirche, an der bis heute noch gebaut wird und die sich im Endstadium befindet, wurde zum Sinnbild der katalanischen Hauptstadt. Sie wird sowohl zur grössten Kirche Europas als auch zum höchsten Gebäude Barcelonas werden.