Stockhornkette mit ThunerseeBild aus https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Ferdinand_Hodler_-_Stockhornkette_mit_Thunersee.jpg https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Ferdinand_Hodler_-_Stockhornkette_mit_Thunersee.jpg

Der Berg, Symbol der Kraft

19. Jahrhundert / 20. Jahrhundert
Landschaft
  • Ferdinand Hodler
  • Anselm Kiefer
  • Rudolf Stingel
  • Ernst Ludwig Kirchner

Ferdinand Hodler, 1853 -1918

(Schweizer Maler des Symbolismus und Jugendstils)

Hodler hat es verstanden, unsere Schweizer Berge auf eindrückliche, wunderbare Weise zu malen. Wenn der Berg sich in einem See spiegelt, wie so oft in seinen Bildern, tritt er besonders schön in Erscheinung und wir können uns an einer perfekten Kombination erfreuen.

Wir fühlen das Liebliche, Heroische, Ewige. Man ist berührt von der Weite und Erhabenheit. Prächtige Abend-oder Morgenstimmungen lassen uns schwelgen. Voller Andacht versinken wir in den Blautönen, dem zarten Rosa mit Schleiern von feinem Gelb. Weit und klar spannt sich der Himmel, so dass wir uns empor schwingen möchten. Wir fühlen uns eins mit einer harmonischen Natur, die sich dem Mensch wohlgesinnt zeigt.

Bild aus meisterdrucke.com.
Ferdinand Hodler, der Silvaplanersee im Herbst
Der Silvaplanersee im Herbst, Ferdinand Hodler, 1907
Bild aus meisterdrucke.com

Hodler selbst zeigte sich fasziniert und überwältigt von der Alpenlandschaft.

Das Bild Stockhornkette mit Thunersee (gezeigt als Leitbild des Posts) hat Hodler etwa 15 Mal hergestellt.
Eines der Bilder ist jüdisches Raubgut: interessanter Text zur Provenienz (Herkunft und Besitzerverlauf), siehe link
https://www.nzz.ch/article8O3UM-1.223993 

http://www.sothebys.com/en/auctions/ecatalogue/2013/schweizer-kunst-swiss-art-zh1303/lot.34.html

https://www.kunstkopie.de/a/hodler-ferdinand/genferseemitmont-blanc.html

Anselm Kiefer, 1945*-

deutscher Maler/Bildhauer

tönend wie des Kalbs Haut die Erde, 2011. Öl, Emulsion, Acryl, Schellack, Kohle und Blei auf Leinwand, 380 x 560 x 14 cm; © Anselm Kiefer. Fotonachweis: Ulrich Ghezzi courtesy Galerie Thaddaeus Ropac Paris / Salzburg
Anselm Kiefer, „tönend wie des Kalbs Haut die Erde“, 2011
aus kultur-online.net, 28. Mai 2012

Er liefert uns das Kontrastprogramm zu Hodlers Bergen:

Die Bergkette, die wir hier zu sehen bekommen, ist von grauen Nebeln und Unwetter-Wolken umhangen. Dieses in grau, schwarz, weiss, ev. schwachen Blautönen gehaltene Szenario vermittelt eine düstere Stimmung. Der dunkle Himmel und der abweisende Berg beschwören eine bei Kiefer allgegenwärtige Endzeitstimmung.

Auf keinen Fall möchte man sich real in diese Landschaft begeben. Diese Beklemmung findet sich in fast allen von Anselm Kiefers Bildern. Bei ihm gibt es keinen Ort, wo man sich aufhalten möchte. Überall herrscht Weltuntergangsstimmung. Die Einsamkeit ist erdrückend, und doch ist der Mensch indirekt allgegenwärtig:

Da finden sich Spuren von menschlichem Schaffen in der Landschaft.

Das hier gezeigte Bild Kiefer’s zeigt ein Stoppelfeld von abgemähten Kornhalmen, die entlang geraden, vom Traktor angelegten Linien verlaufen und sich in der Ferne verlieren.

Diese sichtbaren, in allen Bildern von Anselm Kiefer vorkommenden Zeugnisse von vergangenem menschlichen Tun stimmen uns nachdenklich und traurig. Gleich wie Archäologen sehen wir uns konfrontiert mit einem Ort, wo mal Menschen eindeutig ihre Spuren hinterlassen haben, sei das vor langer Zeit oder gerade erst vor kurzem.

Kiefers Bilder wirken immer irgendwie verstörend, unnahbar, entrückt, bedrohlich, wie von einer anderen Welt, in welcher der Mensch längst Vergangenheit ist. Trotz der Dramatik der Themen ist kaum je Dynamik in den Bildern. In diesem Bild herrscht eine gewisse Starre, Totenstille. Man weiss nicht, ob es eine Winterlandschaft ist, oder ob sich Atomasche auf die Erde gelegt hat. Das Bild ist äthetisch sehr schön, aber beunruhigend.

Einige Bild Sujets bei Kiefer:

  • Städte-Gebilde im Dunst, so hoffnungslos ineinander geschachtelt, dass einem das Grauen befällt.
  • verlassene Fabrikhallen,
  • Eisenbahn-Geleise, die am Horizont im Nichts verschwinden,
  • verdorrte Sonnenblumen, die ihre schwarzen Köpfe hängen lassen,
  • dunkle, schmutzige Brandung, die dem Betrachter entgegen donnert,
  • Wagenspuren, die im Gras ins Nirgendwo führen,
  • Schiffe, die brennen,
  • zerfallene Bauwerke, deren Trümmer uns quasi vor die Füsse fallen.
  • Überall düstere Farben und beklemmende Stimmung.

Rudolf Stingel, 1956* –

(ital. Maler/Künstler)

Bei Stingel sind die Berge erschreckend schön: düster, schwarz-weiss, kalt. Abweisend in ihrer Gestalt und anziehend in ihrer Aesthetik gleichzeitig.

Sie zeigen ihre gefährliche Seite: Unnahbarkeit, Gnadenlosigkeit, Tod durch Absturz am Fels, Tod durch Kälte in Schnee und Eis, Vernichtung im Gletscherspalt. All dies kommt einem in den Sinn, wenn man diese Berge betrachtet. Trotzdem sind sie wunderschön. Die Natur wird sehr realistisch gezeigt. Man ist überzeugt, eine Fotographie vor sich zu haben und kann es kaum glauben, dass es ein Ölgemälde ist. Stingel malt diese realistischen Bilder zwar nach Fotovorlage, aber effektiv ist alles gemalt in feinen, kleinen Farbtupfern, sorgfältig gesetzt mit dem Pinsel.

Untiteled, 2010, Rudolf Stingel, Bild aus http://www.artsobserver.com/2014/04/19/rudolf-stingel-mountainous-vision/Landschaft Sertigtal, Kirchner, 1924, Bild aus
Untiteled, 2010, Rudolf Stingel, Bild aus http://www.artsobserver.com/2014/04/19/rudolf-stingel-mountainous-vision/L
http://www.artsobserver.com/2014/04/19/rudolf-stingel-mountainous-vision/

Ernst Ludwig Kirchner, 1880 – 1938

deutscher Maler und Grafiker, Vertreter des Expressionismus

Landschaft Sertigtal, Kirchner, 1924, Bild aus posterlounge.de
Landschaft Sertigtal, Kirchner, 1924, Bild aus posterlounge.de

Die expressionistisch gemalten Berge in Kirchners Gemälden betten sich trotz ihrer Farbigkeit wohltuend und unüberhöht in die übrige Buntheit der Gesamt-Komposition ein. Die der realen Welt nicht entsprechenden schreienden Farben nehmen den Bergen jede weitere Aussage, jedes Sinnbild.

Diese Berge wirken weder bedrohlich, noch anziehend/verlockend, noch sphärisch/erhaben. Ihre einzige Eigenschaft liegt in Farben und Formen. Mehr vermitteln sie nicht. In diesem Sinn sind sie nur Teil eines Ganzen, das als Form–Farb-Komposition zur Wahrnehmung gelangt.