Renaissance, 1350-1600 (ca. 15. und 16. Jahrhundert)

Die Renaissance, auch Rinascimento genannt, löste die Gotik ab und ist der Übergang zwischen Mittelalter und Neuzeit, die ab ca.1500 begann. Renaissance heisst Wiedergeburt (aus dem Wort „re“ (wieder ) und la naissance (die Geburt). Die Renaissance kann in überschneidende Abschnitte gliedert werden.

Protorenaissance (1300-1400)

Cimabue (1240-1302), er löste sich vom Formalismus der Byzanthinischen Kunst.
Giotto di Bondone (1266-1337), Wegbereiter für die Renaissance. Man findet Andeutung für Dreidimensionalität. Der Schriftsteller/Philosoph Dante Alighieri war sein Zeitgenosse(1265-1321) und Bekannter/Freund.

Cimabue madonna castefliorentino

Cimabue, „Madonna Castelfiorentino“

Giotto di Bondone 087

Giotto di Bondone,

Frührenaissance (1400-1490)

Donatello (1386–1466)
Masaccio (1401-1428)
Fra Filippo Lippi (1406-1469)
Giovanni Bellini (1430-1516)
Sandro Botticelli (1445-1510), Schüler von Filippo Lippi
Pietro Perugino (1446-1523)

Masaccio - The Distribution of Alms and the Death of Ananias - WGA14184

Masaccio, „Verteilung von Almosen und der Tod von Hananias“
Alle Gesichter zeigen Emotionen. Sehr realitätsnah. Im Hintergrund sieht man Landschaft, die die Tiefe des Raumes zeigt.

Filippo Lippi - Madonna col Bambino e due angeli - Google Art Project

Filippo Lippi, „Madonna mit Kind und zwei Engeln“

Sandro Botticelli: Venus and Mars
By Sandro BotticelliNational Gallery, UK, Public Domain, Link

Botticelli, „Venus und Mars“

Pietro Perugino - The Combat Between Love and Chastity

Pietro Perugino, „Kampf zwischen Liebe und Keuschheit“


 

Hochrenaissance (1490-1530)

Leonardo da Vinci (1452-1519), Universalgenie
Michelangelo Buonarotti (1475-1564), Universalgenie
Raffael (1483-1520)
Tizian (1490-1576)

The Lady with an Ermine

Leonardo da Vinci, „Dame mit Hermelin“

Michelangelo Sündenfall

Michelangelo Buonarotti, „Der Sündenfall“

Michelangelo Buonarotti, „David“, Marmorskulptur

Raffael 035

Raffael, „Isabel de Requesens i Enriques“

Tizian 055

Tizian

Nördliche Renaissance (1430-1580)

deutsche und niederländische Renaissance:
Jan van Eyck (1390-1441)
Rogier van der Weyden (1400-1464)
Hieronymus Bosch *-1516)
Matthias Grünewald (1470-1528)
Albrecht Dürer (1471-1528)
Lukas Cranach der Aeltere(1472-1553)
Hans Holbein der Jüngere (1497-1543), Hofmaler von Henry VIII., König von England
Pieter Bruegel der Ältere (1525-1569)

Nach der Reformation in Deutschland sinkt die Nachfrage nach religiösen Bildern. Daher werden vermehrt Landschaften und Portraits gemalt. Die Bildsprache verharrt aber weiterhin in der mittelalterlichen Tradition. Es kommt nicht zu einem so starken Aufbruch wie in Italien.

Altniederländische Malerei: ab ca. 1430 kam es zur Hochblüte der Malerei in den Niederlanden, resp. Flandern. Diese Epoche markiert den Übergang von der Spätgotik in die Frührenaissance und dauerte ca. 100 Jahre.

Jan van Eyck - The Annunciation - Google Art Project crop

Jan van Eyck, „Die Verkündigung“
Er verfeinert die Technik der Ölmalerei

Rogier van der Weyden - Portrait of a Woman with a Winged Bonnet - Google Art Project

Rogier van der Weyden, „Portrait einer Dame mit geflügeltem Hut“
Er malte beeindruckende Damenportrait.

Hieronymus Bosch 028

Hieronymus Bosch. Er schafft apokalyptische Visionen mit moralischem Anspruch: seine Bilder vermitteln den Eindruck, dass die Hölle immer und überall auf der Erde herrscht.

Matthias Grünewald Isenheimer Altar Auferstehung

Matthias Grünewald, „Auferstehung“ aus dem Isenheimer Altar

Albrecht Dürer - Self-Portrait at 26 (detail) - WGA6926

Albrecht Dürer, „Selbstportrait“.Er sah sich nicht mehr nur  als Handwerker sondern als echter Künstler im Sinn von Schöpfer. Er war der erste, der von sich selbst ein Portrait malte.

Lucas Cranach d.Ä. - Bildnis der Prinzessin Sibylle von Cleve (1526, Klassik Stiftung Weimar)

Lukas Cranach der Ältere, „Bildnis der Prinzessin Sibylle von Cleve“
Sein bekanntestes Bild ist das Portrait von Marthin Luther. 

Henry VIII by Hans Holbein der Jüngere (1540, Galleria nazionale d'arte antica, Rome)

Hans Holbein der Jüngere, „König Henry VIII“

Brueghel-tower-of-babel

Pieter Bruegel der Aeltere, „Turmbau zu Babel“. Das Bild hat eine lehrhafte Bedeutung.
Er hat vorwiegend das bäuerliche Leben seiner Heimat gemalt. 

Spätrenaissance, auch Manierismus genannt (1530-1600).

Das Streben nach dem Ideal rückt in den Hintergrund. Der Selbstausdruck des Künstlers hat grosse Bedeutung. Vieles wirkt übertrieben, verdreht, wunderlich. Jeder versuchte seine eigene Malweise (maniera) zu finden, um die klassische Schönheit noch zu überhöhen. Oft wird nun die Asymmetrie betont, die Gliedmassen in die Länge verzogen, die Körper gewunden oder verdreht. Alles ist „überhöht“, auf die Spitze getrieben.

Giorgio Vasari (1511-1574), Hofmaler der Medici, Architekt, Biograph von da Vinci, Michelangelo, Raffael. Schuf die Begriffe „Gotica“, „Rinascimento“, Kunsthistoriker.
Jacopo Tintoretto (1518-1594)
Giuseppe Arcimboldo (1526-1593)
El Greco (1541-1614)
Bartholomäus Spranger (1546-1611)

Jacopo Tintoretto - Last Supper - San Trovaso Venice

Jacopo Tintoretto, „Das letzte Abendmahl“:
Er setzt ungewohnte Perspektiven und Lichteffekte ein.

Arcimboldo Vegetables

Giuseppe Arcimboldo, Er malt bizarre Porträts aus Früchten, Gemüsen, Blumen oder Tieren,

El Greco - The Disrobing of Christ - WGA10545

El Greco, „Die Entkleidung Christi“, Manierismus

Hermaphroditos and Salmacis by Bartholomäus Spranger

Bartholomäus Spranger, „Hermaphroditos und Salmacis“, Manierismus


Ideen und Merkmale der Renaissance

Man empfand das starre Mittelalter wegen all der Verbote der Kirche als sinnesfeindlich, einschränkend und rückständig.
Gefördert wurde die Renaissance durch die Entstehung eines blühenden Handels in Städten Italiens (Florenz und Venedig) wie auch der Niederlande und Deutschlands. Der Wohlstand förderte die Kunst.

Man begann sich auf die Werte der Antike, also der alten Griechen und Römer zu besinnen. Die Renaissance begann in Italien, in den florierenden Wirtschafts-Stadt-Staaten Florenz und Venedig und breitete sich bis zu ihrem Ende um ca 1600  allmählich auf das restliche Europa aus.
In den Künsten, der Philosophie, der Rechtsprechung und der Wissenschaft galten nun die Ideale der alten Griechen und Römer als erstrebenswert.
Der Mensch als Individuum und eigenständige Persönlichkeit wird ins Zentrum gestellt. Man begann über sich selber nachzudenken und sich ins Zentrum der bildlichen Darstellung zu rücken. Der Verstand sollte leiten.

Zentralperspektive, Proportionen und Geometrie kamen zur Anwendung, wie es schon die Griechen und Römern der Antike getan hatten.
In Gemälden und Skulpturen erlaubte man sich Nacktheit darzustellen, welche zuvor höchstens bei Bildern von Adam und Eva (mit Schambedeckung) erlaubt war.
Wirklichkeitsnähe wurde wichtiger als christliche Symbolik. Darstellung von Szenen aus der antiken Mythologie gewannen an Bedeutung. Dank Erforschen der Anatomie konnte der Mensch so dargestellt werden, dass Muskeln und Rundungen deutlich sichtbar waren. Grössenverhältnisse (Proportionen) wurden eingehalten.
Die Künstler strebten nach idealen Formen und harmonischen Kompositionen.

Die Wissenschaft sollte in allen Bereichen vorangetrieben werden. Man tüftelte an Erfindungen und machte Entdeckungen.
Damit begann die Diskrepanz zwischen dem „Glauben“ (Gottgegebenem) und dem Erkennen. Die Öffnung des Geistes führte zum „Humanismus“, der zur theoretischen Grundlage im Denken wurde. Künstler der Renaissance brachten grossartige Kunstwerke, Gemälde und Bauwerke hervor.

In der Renaissance fand die Reformation statt. (Kirchliche Erneuerungsbewegung zwischen 1517 bis 1648, die im Laufe der Zeit zur Spaltung der Kirche in verschiedene  Konfessionen führte).

Wichtig in der Kunst, besonders in der Malerei:

Die perspektivische Verkürzung
Das Sfumato (Farbvermischung ohne sichtbare Übergänge)
Lineare Zentralperspektive
Quadratura (Malerei, die illusorische architektonische Wirkung hatte)

The dead Christ and three mourners, by Andrea Mantegna

Beispiel für perspektivische Verkürzung: „Beweinung Christi“, (ca. 1474) von Andrea Mantegna

In der Früh-Renaissance widmete sich die Malerei dem Schmücken der Kirchen, Kathedralen und Klöster mit Altarbildern und Wanddekorationen.
Erst ab der Hoch-Renaissance tauchten auch reine Landschaftsbilder, Alltagsszenen, Stilleben und Portraits auf.
Fresco: In Italien wurde bereits in der Protorenaissance die Kunst der Fresco Malerei neu belebt (Giotto di Bondone). Sie wurde nun oft anstelle eines Mosaikes verwendet.

Unabhängig voneinander, aber ungefähr zur selben Zeit, entstanden südlich wie nördlich der Alpen folgende Erneuerungen in der Kunst:

Erfassung der Natur
Darstellung von Landschaft
Entstehung des Portraits
Wandel in der Architektur

Aus verschiedenen gründen (Alpenbarriere und Politik) kamen die Ideen aus Italien, wie z. Bsp. Zentral-Perspektive, Geometrie und Schönheitsideale der Antike, in Deutschland mit 100jähriger Verspätung an. Nördlich der Alpen gelang es den Künstlern aber auch ohne theoretische Kenntnisse der Geometrie, nur mit Hilfe von Hell-Dunkel Effekten und Verkleinerung der Dinge, Tiefe im Bild entstehen zu lassen.
Im Gegensatz  zur in Italien verwendeten Fresco Malerei, verwendeten die nördlichen Maler eine Mischtechnik mit Oel, die sehr leuchtende Farben hervorbrachte.

Die Kathedrale von Florenz, Santa Maria del Fiore

Baubeginn 1296. Wie viele Gebäude der Renaissance in Florenz wurde dieses wunderschöne Bauwerk aus 3 verschiedenen Marmoren mit unterschiedlichen Farben gebaut (weiss, rot, grün).
Die Kathedrale wurde 1436 eingeweiht. Erbauer/Architekten/Baumeister waren Filippo Brunelleschi, Giotto di Bondone und andere.

View of Santa Maria del Fiore in Florence

Kathedrale „Santa Maria del Fiore“, Florenz

Santa Maria dei Fiori - details
Ausschnitt aus der Westfassade der Santa Maria del Fiore, Florenz, flickr fotograf Lo van den Berg, 2008

Dem Ingenieur/Architekten Brunelleschi gelang es 1418, den riesigen Dom mit seiner stattlichen Kuppel zu berechnen und zu konstruieren (mit einer inneren und einer äusseren Domkuppel aus je 8 Spitzbögen und 4 Mio. Ziegelseinen). Er wollte eine den antiken Vorbildern entsprechende Baukonstruktion verwirklichen.

Die Domkuppel war zuerst unbemalt. Erst 100 Jahre später verzierte sie der Künstler Vasari mit 700 Figuren, die das jüngste Gericht aufzeigen.

Ausschnitt aus dem Domkuppel-Gemälde „Das jüngste Gericht“, 1572-79 , Giorgio Vasari

Mit dem Gnomon-Zeitmesser in der Domkuppel, installiert von Toscanelli, lässt sich jedes Jahr Ostern berechnen. Der 90 Meter lange Lichtstrahl kann dann am Boden auf dem eingraphierten Kalender abgelesen werden.

Das Baptisterium San Giovanni neben der Kathedrale sieht vom Baustil her genau gleich aus, aber es wurde bereits im 4. Jahrhundert erstellt und im Laufe der Jahrhunderte erneuert.
Ein Baptisterium ist eine Taufkirche, weil Kinder und Ungetaufte nicht in die Kirche durften.

Florenz Baptisterium, von innen

Kuppel des Baptisteriums

Das Paradies-Tor des Baptisteriums, von Lorenzo Ghiberti und Andrea Pisano geschaffen.

Zwei Ausschnitte aus dem von Lorenzo Ghiberti und Andrea Pisano geschaffenen Türen aus Bronze. Michelangelo war so begeistert, dass er sie das Paradies-Tor nannte.

Im 16. Jahrhundert kam es zu vielen Turbulenzen in Europa: Die Reformation zog viele Kriege nach sich und die Autorität der Kirche wurde generell in Frage gestellt. Man musste erkennen, dass die Welt nicht der Mittelpunkt des Universums ist, und dass die Erde eine Kugel ist. Der Mensch war nicht mehr Mass aller Dinge.

Einiges Wichtiges:

1347-1353 Pest in Europa

1455 Gutenberg Buchdruck

1492 Kolumbus entdeckt Amerika

1530-1555, Karl V., Kaiser des hl. Römischen Reiches

1509-1547, Henry VII, König von England. Protestantische Reformation in England durch Ablehnung der Autorität des Papstes (was dann zur Anglikanische Kirche führte)

1517 Martin Luther beginnt Reformation

1564 Geburt William Shakespeare

1588 Untergang der spanischen Armada